Wie unterscheidet sich die Psyche von Hund und Katze?

Und es gibt doch einen Unterschied…


Seitdem meine Holde und ich stolze Hundebesitzer sind, machen wir uns natürlich mehr Gedanken über das Dasein eines Hundes als zu früheren Zeiten. Die wichtigsten Fragen lauten: „Was denkt Pucki wohl gerade?“, „Erinnert sie sich an ihre Zeit als Straßenhund?“, „Wen hat sie lieber? Uns oder ein Leberwurstbrot?“ Es geht also um sehr existenzielle Dinge.

Wir haben sogar eine echte Expertin dazu befragt. Eine junge Frau aus dem Verlag, der die Freundlichkeit hat, Steins Woche jede Woche an Sie zu verschicken. Sie kennt sich mit Hunden gut aus, denn ihre Mutter ist Hundetrainerin.

Gut, ich gebe es zu, das erinnert ein wenig an jene berühmte Zahnarztfrau, die im Werbefernsehen Tipps zur Auswahl der richtigen Zahnpasta gab – weil sie sich als „Zahnarztfrau“ natürlich bestens mit der Materie Ihres Mannes auskannte. In jenen Zeiten bekam ich höllisch Angst vor der Urologen-Frau, der Chirurgen-Frau und der Anästhesisten-Frau …

Immerhin – die Tochter der Frau, die Hundetrainerin ist, klärte meine Holde und mich darüber auf, dass ein Hund kein Erinnerungsvermögen hat, wie wir Menschen es kennen.

Ein Hund kann wohl Gerüche und Geräusche mit Erinnerungsfetzen wie „gefährlich“ oder „unbedrohlich“ verbinden, aber so richtig erinnern kann er sich nicht. Sagt die Tochter, deren Mutter Expertin ist. Aber wieso rennt Pucki nach jedem Spaziergang direkt in die Küche? Wieso hat sie sich gemerkt, dass sie beim Nach-Hause-Kommen ein Leckerli bekommt? Sie riecht die Küche beim Reinkommen doch noch nicht. Oder doch?

Fragen über Fragen, die sich einem Katzenbesitzer niemals stellen würden. Katzen sind völlig anders. Ich hatte mal eine.

Katzen zum Beispiel rennen nicht zum Kühlschrank oder Napf, die schreiten.

Katzen kommen morgens nach dem Aufstehen nicht zur Begrüßung herbeigestürzt – sie lassen herantreten.

Der wahre Unterschied zwischen Hunden und Katzen aber zeigt sich in jenen Tagebucheinträgen, die kürzlich wieder entdeckt wurden. Ich behaupte zwar nicht, dass damit die Geschichte von Katze und Hund neu geschrieben werden muss – doch bitte: Lesen Sie selbst:

- Auszüge aus dem Tagebuch eines Hundes:

07:00 Uhr – Boah! Gassi gehen! Das mag ich am liebsten.
08:00 Uhr – Boah! Fressi! Das mag ich am liebsten.
09:30 Uhr – Boah! Eine Spazierfahrt! Das mag ich am liebsten.
09:40 Uhr – Boah! Im Auto pennen! Das mag ich am liebsten.
10:30 Uhr – Boah! Eine Spazierfahrt! Das mag ich am liebsten.
11:30 Uhr – Boah! Heimkommen! Das mag ich am liebsten.
12:00 Uhr – Boah! Die Kinder kommen! Das mag ich am liebsten.
13:00 Uhr – Boah! Ab in den Garten! Das mag ich am liebsten.
16:00 Uhr – Boah! Noch mehr Kinder! Das mag ich am liebsten.
17:00 Uhr – Boah! Fressi! Das mag ich am liebsten.
18:00 Uhr – Boah! Mein Herrchen! Das mag ich am liebsten.
19:00 Uhr – Boah! Stöckchen holen! Das mag ich am liebsten.
21:30 Uhr – Boah! In Frauchens Bett schlafen! Das mag ich am liebsten.

- Auszüge aus dem Tagebuch einer Katze:

Tag 2983 meiner Gefangenschaft.
Meine Wärter versuchen weiterhin, mich mit kleinen Objekten an Schnüren zu locken und zu reizen. Ich habe beobachtet, wie sie sich den Bauch mit frischem Fleisch vollschlagen, während sie mir nur zerstampfte gekochte Reste von toten Tieren mit kaum definierbarem Gemüse vorsetzen.

Die einzige Hoffnung, die mir bleibt, ist die einer baldigen Flucht.


Währenddessen erlange ich Genugtuung, indem ich das ein oder andere Möbelstück zerkratze. Morgen werde ich mal wieder eine Zimmerpflanze fressen.

Heute habe ich es beinahe geschafft, einen Wärter durch Schleichen zwischen den Beinen zu Fall zu bringen und ihn dadurch zu töten. Ich muss einen günstigen Moment abpassen, zum Beispiel wenn er sich auf der Treppe befindet.

Um meine Anwesenheit abstoßender zu gestalten, zwang ich Halbverdautes wieder aus meinem Magen auf einen Polstersessel heraus. Das nächste Mal ist das Bett dran.

Mein Plan, ihnen durch den geköpften Körper einer Maus Angst vor meinen mörderischen Fähigkeiten einzuflößen, ist auch gescheitert. Sie haben mich nur gelobt und mir Milchdrops gegeben. Was wiederum gut ist, weil mir davon schlecht wird.

Heute waren viele ihrer Komplizen da. Ich wurde für die Dauer deren Anwesenheit in Einzelhaft gesperrt. Ich konnte hören, wie sie lachten und aßen. Ich hörte, dass ich wegen einer „Allergie“ eingesperrt wurde. Ich muss lernen, wie ich diese Technik perfektionieren und zu meinem Vorteil nutzen kann.

Die anderen Gefangenen sind Weicheier und wahrscheinlich Informanten. Der Hund wird oft frei gelassen, kommt aber immer wieder freudestrahlend zurück. Er ist offensichtlich nicht ganz dicht. Der Vogel dagegen ist garantiert ein Spion. Er spricht oft und viel mit den Wärtern. Ich glaube, dass er mich genauestens beobachtet und jeden meiner Schritte meldet. Da er sich in einem Stahlverschlag befindet, kann ich nicht an ihn ran. Aber ich habe Zeit.


Mein Tag wird kommen…

G. Stein